Wenn niemand abnimmt
Die Dargebotene Hand ist für viele Menschen in der Schweiz seit Jahrzehnten eine Stimme in der Nacht. Am Telefon unter der Nummer 143 wird fast jeder Anruf von einem Menschen beantwortet. Im Chat sieht es anders aus. Laut einem Bericht von SRF kann dort nur jede dritte bis vierte Anfrage beantwortet werden. Es fehlen schlicht Freiwillige.
Darum setzt die Dargebotene Hand neu einen Chatbot ein. Wer im Chat keinen Menschen erreicht, wird nicht mehr auf später vertröstet, sondern kann mit dem Bot schreiben. Bei akuten Krisen bricht der Bot ab und verweist an Menschen und Telefonnummern. In Finnland, wo das Modell zuerst eingesetzt wurde, nutzten viele den Bot, um zu klären, ob sie überhaupt eine persönliche Beratung brauchen. Die Wartezeiten wurden dadurch deutlich kürzer.
Mich hat an diesem Bericht vor allem eine Zahl beschäftigt: Zwei von drei Menschen, die schreiben, finden niemanden am anderen Ende. Das zeigt, wie gross das Bedürfnis ist, mit jemandem zu reden. Und wie wenige Menschen da sind, um zuzuhören.
Ich finde den Weg der Dargebotenen Hand ehrlich. Der Bot gibt sich nicht als Mensch aus. Er ist eine Brücke, kein Ersatz. Und die Verantwortlichen sagen selbst, dass es weiterhin vor allem eines braucht: mehr Menschen, die sich Zeit nehmen.
Genau darum geht es auch bei Romera. Eine KI kann helfen, den ersten Schritt zu wagen. Aber das eigentliche Gespräch, das zwischen zwei Menschen, kann sie nicht ersetzen.
Wichtig ist mir dabei eine klare Grenze: Romera ist ein Ort für Begegnung, keine Beratung und keine Krisenhilfe. Wenn es dir sehr schlecht geht, ruf die Dargebotene Hand an, Telefon 143, rund um die Uhr. Jugendliche erreichen Beratung + Hilfe unter der Nummer 147.
Und du? Würdest du lieber zuerst einem Chatbot schreiben, bevor du dich einem Menschen anvertraust? Oder ist dir von Anfang an ein menschliches Gegenüber wichtig?