Der berufliche Weg nach oben ist schwer und nur teilweise planbar. Am Ende braucht es oft auch das nötige Quäntchen Glück: Man muss zum richtigen Zeitpunkt die passende Qualifikation präsentieren, sein Wissen abrufen können und möglicherweise den richtigen Kontakt in einem gut gepflegten Netzwerk haben.
Hinzu kommt: Mitarbeitende braucht es viele – aber meistens gibt es nur einen Chef.
Ist man endlich oben angekommen, merkt man mitunter schnell, wie einsam eine Führungsposition sein kann. Eine fachliche Frage? Nach unten wollte ich sie nicht stellen, weil ich fürchtete, mich zu blamieren. Nach links oder rechts war es ebenfalls heikel: Der andere Chef sollte schliesslich nicht bemerken, dass ich unsicher war.
„Du musst dich immer nach oben orientieren – nie zur Seite oder gar nach unten.“ Das sagte mir ein Oberst während meiner militärischen Ausbildung, als ich mich für die Offiziersschule bewarb. Lange hielt ich mich daran – jedenfalls so lange, wie ich mich dafür nicht verbiegen musste und meine Meinung auch gegenüber Vorgesetzten vertreten konnte.
Doch je länger ich Chef war, desto stärker spürte ich die Einsamkeit. Mein Einzelbüro war gross und schön eingerichtet: ein paar Pflanzen, Fotos und Bilder. Eine Antwort auf meine Probleme bekam ich allerdings weder von den Pflanzen noch von den Bildern.
Also wandte ich mich an Kollegen, die ich während einer späteren Fachausbildung kennengelernt hatte. Der eine arbeitete in Aarau, der andere in Bern oder sogar im Wallis. Sie kämpften mit ähnlichen Problemen: erkrankte Mitarbeitende, unrealistische Umsatzvorgaben oder Schwierigkeiten zu Hause.
So war ich häufiger ausserhalb meines Büros bei diesen Kollegen – und gleichzeitig zu wenig im eigenen Büro und bei meinen Mitarbeitenden.
Irgendwann erkannte ich, dass dies nicht meine Zukunft war. Chef zu sein klingt auf dem Papier spannend und ist häufig mit einem höheren Lohn verbunden. Doch meine innere Zufriedenheit wurde immer kleiner.
Wie kam ich aus dieser Einsamkeit heraus?
Ich kündigte meine Stelle und arbeitete danach wieder ohne Führungsverantwortung. Einsam war ich zwar noch immer, aber der grosse Druck war verschwunden.
Heute habe ich gelernt, mit meiner Einsamkeit umzugehen. Keine ständigen Rechtfertigungen, keine erzwungenen Termine. Wenn ich Kontakt suche, dann bewusst.
Lieber wenige, dafür gute Kontakte.