Im Militär wurde ich bei den Übermittlungstruppen eingeteilt. Ich musste mich damals entscheiden: das Bedienen von Fernschreibern und der Bau von Leitungen oder das mühsame Lernen des Morsecodes. So war ich zwar Übermittler, hatte aber leider mit dem Funken nichts zu tun. Ich habe dafür gesorgt, dass andere zum richtigen Zeitpunkt und in guter Qualität miteinander schreiben oder sprechen konnten.
Der Funk fasziniert mich aber bis heute. Vielleicht ist es der Reiz des Unbekannten?
Ein Ruf ins Ungewisse
Funker haben dafür einen eigenen Ruf: „CQ“. Er bedeutet ungefähr: „Ist da jemand, der mit mir sprechen möchte?“ Man schickt ihn hinaus und weiss nicht, wer ihn hört. Vielleicht jemand aus dem Nachbardorf, vielleicht jemand am anderen Ende der Welt. Vielleicht niemand.
Und dann antwortet aus dem Rauschen eine Stimme. Ein Mensch, den man nicht kennt, hat zugehört.
Noch nicht kennen – und vielleicht kennenlernen
Am Anfang weiss man fast nichts voneinander: einen Namen, einen Ort, vielleicht das Wetter. Gerade das macht es leicht. Niemand muss sich beweisen, niemand muss gefallen. Man redet einfach.
Manchmal bleibt es bei ein paar Sätzen. Manchmal erzählt man sich mehr, und man meldet sich wieder. So kann aus einer fremden Stimme mit der Zeit ein Mensch werden, den man kennt.
Die Karte danach
Funker haben einen schönen Brauch. Nach einem Kontakt schicken sie sich eine Postkarte, die QSL-Karte. Darauf stehen Datum, Uhrzeit und Frequenz, oft mit einem Bild vom eigenen Ort. Die Karte sagt: „Wir haben wirklich miteinander gesprochen.“ Viele sammeln diese Karten ein Leben lang. Nicht wegen der Menge, sondern weil hinter jeder eine Begegnung steht.
Und Romera?
Mit Romera tue ich heute wieder etwas Ähnliches wie damals. Ich sorge dafür, dass andere miteinander sprechen können. Diesmal nicht über Leitungen und Fernschreiber, sondern über Sprachgrenzen hinweg.
Wer bei Romera ein Gespräch beginnt, macht im Grunde dasselbe wie ein Funker: Man ruft ins Ungewisse und hofft, dass jemand antwortet. Jemand, den man noch nicht kennt. Wie weit das Gespräch geht, entscheidet ihr beide. Manchmal bleibt es bei ein paar freundlichen Sätzen. Manchmal lernt man sich im Verlauf des Gesprächs besser kennen.