Wenn im Alter Gesellschaft fehlt
Es gibt einen Unterschied zwischen einem ruhigen Nachmittag und dem Wunsch, ihn mit jemandem teilen zu können. Wer Gesellschaft vermisst, braucht keine Bewertung seiner Lebensweise, sondern die Möglichkeit, gehört zu werden.
Was die Befragung zeigt
36 Prozent der Menschen ab 60 Jahren in der Schweiz vermissen zumindest manchmal Gesellschaft. Hochgerechnet sind das mehr als 800’000 Personen. Rund 140’000 vermissen sie häufig. Diese Ergebnisse veröffentlichte Pro Senectute am 1. Oktober 2026 zur Befragung «Beziehungen im Alter».
Der SRF-Bericht zur neuen Studie (neuer Tab) stellt das Thema unter dem Titel «Jeder Dritte über 60 fühlt sich einsam» vor. Nach Angaben von SRF führte GFS Zürich die repräsentative Untersuchung im Auftrag von Pro Senectute durch.
Bei der Einordnung lohnt sich Genauigkeit: Zumindest manchmal Gesellschaft zu vermissen bedeutet nicht, dauerhaft einsam zu sein. Pro Senectute hält zugleich fest, dass die grosse Mehrheit der älteren Menschen sozial gut eingebunden ist.
Alleinsein ist nicht dasselbe wie Einsamkeit
Allein zu leben kann eine bewusste Entscheidung sein. Laut Pro Senectute sind jedoch Menschen nach dem Verlust einer Partnerschaft oder einer Trennung sowie Menschen mit tiefem Einkommen besonders betroffen. Die Lebenssituation ist deshalb wichtig, nicht allein das Alter. Die Originalmitteilung von Pro Senectute (neuer Tab) erläutert diese Unterschiede.
Begegnungen brauchen Gelegenheiten
SRF richtet den Blick auch auf die Bedingungen im Alltag: persönliche Besuche, ein Anruf, zugängliche Begegnungsorte und die Zusammenarbeit lokaler Angebote. Im Bericht wird betont, wie wichtig die Finanzierung kostenloser Treffpunkte ist. Nicht jede Hürde lässt sich durch den Rat überwinden, einfach mehr unter Menschen zu gehen.
Was wir daraus für Romera mitnehmen
Unsere Haltung ist: Gesellschaft zu vermissen ist kein persönliches Versagen. Niemand sollte sich dafür rechtfertigen müssen, Kontakt zu suchen. Ebenso wenig sollte jemand zum Austausch gedrängt werden, der gerade lieber für sich ist.
Romera möchte einen zusätzlichen Zugang zu Gesprächen eröffnen – auch über Sprachgrenzen hinweg. Das ist ein Angebot, kein Versprechen gegen Einsamkeit. Digitale Gespräche ersetzen weder Begegnungen vor Ort noch persönliche Unterstützung. Aus der Befragung lässt sich auch keine Aussage über die Wirksamkeit von Romera ableiten.
Vielleicht beginnt ein Kontakt mit einer Geschichte, einer gemeinsamen Frage oder einem aufmerksamen Zuhören. Ob daraus Vertrauen wächst, lässt sich nicht erzwingen. Raum dafür zu schaffen, bleibt für uns dennoch ein sinnvoller Anfang.
Eine Frage fürs nächste Gespräch
Welche kleine Begegnung hat dir zuletzt das Gefühl gegeben, dazuzugehören?