Ein Bus, der nirgends ankommen muss
Zwei Jahre lang bin ich in Schaffhausen Bus gefahren. Im Linienbus zählt der Fahrplan: pünktlich abfahren, den Anschluss erreichen, die nächste Haltestelle. Die Fahrgäste sitzen nah beieinander und reden trotzdem selten miteinander.
Als ich von der Linie Null las, hat mich das sofort gepackt. Ich bin in Widen aufgewachsen, nicht weit von Baden. Und ausgerechnet dort fuhr nun ein Bus, bei dem es nicht ums Ankommen ging, sondern ums Mitfahren.
Was die Linie Null war
Die Linie Null war ein Gratisbus ohne Route und ohne Ziel, der im Frühling 2026 in der Region Baden unterwegs war. Erfunden haben ihn die St. Galler Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin, zusammen mit der Stadt Baden und den Regionalen Verkehrsbetrieben Baden-Wettingen (RVBW). Von den Riklins stammt auch das «Null Stern Hotel».
Der Bus fuhr ab Ende April bis Mitte Mai am Bahnhof Baden Ost los. Wohin es ging, war offen. Eine Fahrt dauerte rund anderthalb Stunden, dann war man wieder am Bahnhof. Unterwegs klebten die beiden Künstler an Haltestellen eine grosse Null auf, und der Chauffeur sorgte im Bus für Stimmung. Zeitweise waren zwei Busse unterwegs, die sich an einer Haltestelle in Wettingen trafen.
Die Idee: Im öffentlichen Verkehr soll es einmal nicht darum gehen, möglichst schnell anzukommen, sondern die Fahrt gemeinsam zu erleben. Berichtet wurde darüber bis nach China, Australien und in die USA. Wenn das Projekt in Baden gut ankomme, solle die Linie Null auch in anderen Städten fahren, hiess es damals.
Warum Menschen einsteigen
Die Linie Null hatte kein Programm. Und doch wussten alle, was zu tun war: zur richtigen Zeit am Bahnhof Baden Ost sein und einsteigen. Mehr brauchte es nicht.
Ich glaube, genau das fehlt vielen Menschen, die allein sind. Nicht der Wunsch nach Gespräch, sondern ein Anlass. Wer einfach so jemanden anspricht, muss erklären, warum. Im Bus ohne Ziel muss das niemand. Man sitzt schon zusammen, und die Fahrt selbst ist das Thema.
Was ich daraus für Romera mitnehme
Auf Romera kenne ich das Problem gut: Wer sich anmeldet und niemanden antrifft, kommt kaum wieder. Die Linie Null zeigt, wie es gehen kann. Eine feste Zeit, ein Ort, und alle sind gleichzeitig da.
Darum gibt es auf Romera Gesprächsräume zu festen Terminen. Man muss kein Thema mitbringen und nichts können, auch keine fremde Sprache. Man kommt einfach zur angegebenen Zeit und steigt ein, so wie in Baden in den Bus.
Die Termine stehen auf romera.app.